Bedauern Sie es manchmal, wenn Sitzungen nur dem Abarbeiten einer langen Tagesordnung dienen und für ein „Miteinander“ keine Zeit ist? Wenn ja, können Sie hier erfahren, wie Sie mit einfachen Mitteln „beziehungsfördernde Maßnahmen“ in Ihre Gremienarbeit einbauen können.
Vor einiger Zeit nahm ich an einer Veranstaltung in meinem Pfarrsprengel teil, mit der sich ein Pfarrer auf eine freie Stelle bewarb. Kurz vor Ende der Veranstaltung kam die Frage aller Fragen, die ganz viele Gemeindekirchenräte (GKRs) beschäftigen und die der Pfarrer nun beantworten sollte:
Wir würden als Gemeindeleitung gern mehr Zeit für „das Eigentliche“ haben. Welche Ideen haben Sie, dass uns das bei der wachsenden Fülle an Geschäftsführungsaufgaben gelingen kann?
Ich weiß gar nicht mehr, welche Antwort der Kandidat darauf gab. Mir ging durch den Kopf: Verändert einfach eure Sitzungskultur. Heute frage ich mich, ob es wirklich so einfach sein kann. Meine Erfahrungen mit den Transforming Meetings® nach Nancy Kline beruhigen mich da sofort: Ja, es kann so einfach sein.
Dem will ich in diesem Blog ein wenig nachgehen.
Verändert eure Sitzungskultur
Die Antwort klingt so einfach und setzt außerdem an der Sachebene an, die ja beklagt wird.
Ist das nicht ein Widerspruch zur Frage, die ein Bedürfnis nach Beschäftigung mit tief gehenden Themen ausdrückt?
Ich schlage vor: Probieren Sie es aus. Drei kleine Veränderungen in Sitzungen können schon zu einer spürbaren Verbesserung von Sitzungsergebnissen führen. Außerdem verbessern sie die Beziehungen der Teilnehmenden untereinander.
Heute geht es um die erste:
Beziehungen fördern durch positive Eröffnungsrunden
Wenn Sie Sitzungen mit einer positiv ausgerichteten Frage beginnen, auf die alle Anwesenden antworten, weil sie die Runde rumgeht, erfahren Sie etwas Persönliches von den anderen. Das funktioniert selbst bei so sachlichen Fragen wie „Was haben Sie seit der letzten Sitzung wahrgenommen, was hier in der Gemeinde gut lief?“:
Frau A kommen wohl intuitiv gute Ideen. Sie berichtet, dass sie zufällig zugegen war, als die neue Gemeindeküche geliefert wurde und sie schon trotz des ganzen Chaos eine kochende Männergruppe vor Augen hat, die beim guten Essen intensive Tischgespräche führt.
Herrn B ist es wichtig, dass es allen gut geht, denn er erzählt, dass der Posaunenchor nach langem Ringen eine Corona gemäße Form des Probens gefunden hat, die alle mittragen.
Pfarrer:in C belastet die Frage, wie es nach der Pandemie mit ihrer Kirchengemeinde, vielleicht auch mit der Kirche als solcher weitergeht. Sie beschreibt, dass sie nach langem Herumfragen eine Person gefunden hat, die sich vorstellen kann, wieder einen Kindergottesdienst anzufangen.
Erst recht lernen Sie sich besser kennen bei Fragen wie „Worüber haben Sie sich in der letzten Woche gefreut?“ „Was ist Ihnen am Sonntag das Liebste?“. Lachen ist natürlich auch erlaubt bei Antworten auf augenzwinkernde Fragen wie „Was haben Sie als Kind am liebsten oder gar nicht gern gegessen?“
Kennenlernen schön und gut. Aber verschwendet das nicht wertvolle Sitzungszeit?
Ein eindeutiges „Jein“.
Wenn vorher klar ist, dass jeder einen Satz sagen darf, geht die Runde recht schnell herum. Übrigens: Wenn jemandem nichts einfällt, darf weitergegeben werden. Diese Person ist dann am Schluss dran, inspiriert von den anderen Antworten.
Wenn am Anfang einer Sitzung alle einmal etwas beigetragen haben, sind die Leute auch im Kopf angekommen und haben erfahren, dass sie gleichberechtigtes Teil des Ganzen sind. Dazu haben alle ihren Geist auf etwas Positives ausgerichtet. Zusammen bereiten diese Effekte die Grundlage für gutes, gemeinsames Denken. Das soll ja nun stattfinden.
Insofern betrachten Sie die 10-15 Minuten am Anfang einer Sitzung als ebenso gute Investition wie Andacht und Gebet.
Zwischen den Sitzungen ist vor der nächsten Sitzung
Das, was Sie über die anderen zu Beginn einer Sitzung erfahren haben, nehmen Sie mit in das Gespräch danach, in ein Wiedersehen zwischen den Sitzungen, ins Ankommen bei der nächsten Sitzung. Sie begegnen dem einen oder der anderen dieser Menschen anders. Werden die Fragen mit der Zeit persönlicher, verstehen Sie vielleicht manches, was Sie an einer Person schon lange wundert.
Das alles beeinflusst Ihre Beziehungen und damit Ihr Denken und Arbeiten positiv.
Wenn ich mich in die Veranstaltung zur Kandidatenvorstellung zurückversetze, würde ich am liebsten aufstehen und der GKR-Vorsitzenden, die sich Zeit für „das Eigentliche“ wünscht, anbieten, Ihr einmal von meinen Erfahrungen zu berichten. Ich würde Sie ermutigen wollen, Ihre Sitzung einmal mutig mit einer Eröffnungsfrage zu beginnen.
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Zwei weitere Möglichkeiten, die Denkqualität in Ihren Sitzungen zu erhöhen beschreibe ich Ihnen hier:
Teil 2: TOPs als präzise Fragen
Teil 3: Am Ende noch eine Wertschätung